Zusammenfassung – das Jahr 2018, 2. Hälfte in den Reben

Die Junganlage ist trotz des trockenen Sommers sehr gut angewachsen. Keine Bewässerung oder Verwöhnprogramme waren notwendig, um die Kleinen zum Wachsen zu bewegen.

 

In der Tat war jedoch auffällig, dass sich die beiden neu angepflanzten Sorten Souvignier gris und Johanniter unterschiedlich gut machten.

Während der Johanniter im wahrsten Sinne des Wortes über sich selbst und über den letzten Draht in knapp 2 Meter Höhe hinauswuchs, blieb der Souvignier gris eher moderat unter dem ersten Draht in ca. 1 Meter Höhe. Vielleicht einzelne Pflänzchen meinten, die Nase höher hinausstrecken zu müssen, werden ab im Frühjahr wieder alle auf die gleiche Anzahl Augen zurück gestutzt.

 

Manch einer gibt einem dann den Rat, man könne ja nächstes Jahr bereits die Rute 10 cm unter dem ersten Draht stehen lassen, somit würde man bestimmt schon mal die ersten 40 kg aufs Ar einfahren, erfahrungsgemäß sollte man darauf aber im zweiten Standjahr verzichten, wenn die Ruten nicht etwa eine gute Daumenbreite aufweisen.

Da gehen die Meinungen dann auseinander...

27.04.2018 - Eingezogen

Zunächst ein paar Fakten:

103 Pfähle, 34 Endpfähle, 590 Pflanzstickel, 34 Anker, die 60 cm in die Erde wollten und 3,5 km Drah.t 7 waren sie. 7 Helfer + ein Traktor (und eigentlich noch ein Ankereindrehgerät - dazu später mehr)

 

An dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön an meine Freunde und meine Familie. Ist schon überhaupt nicht gewöhnlich, dass man so eine Arbeit auf sich nimmt. DANKE EUCH ALLEN!

 

8:30 Uhr Treffpunkt in den Reben. Alle waren da, pünktlich. Und damit ging es eigentlich auch schon los. Kurzum, es war klar, entlang der Reihen von Pflanzen, die 2 Wochen zuvor gesetzt wurden, mussten die Pfähle in die Erde. Egal wie.

Blieb nur offen, nehmen wir die letzten Pflanzen an die Anker oder an den Pflanzfahl. Wir entschieden uns für die erste Variante. Akkordarbeit begann. Während ich vor dem Traktor herlaufend, die Pfähle festhielt und ungefähr abmaß, um festzustellen, dass der Traktor sie mit seinem Frontlader bis zur richtigen Tiefe in den Boden drückte, verteilten die anderen bereits das Material.

So schnell wie das ging, konnten wir gar nicht schauen. Die obere Terrasse war in null komma nix mit Pfählen ausgestattet, so dass wir bereits vor Mittag auf dem unteren Boden weitermachen konnten. Der einzige Haken an der ganzen fast leichten Arbeit waren die Anker.

Da die 60 cm in den Boden gedreht werden müssen, hatte ich mich kurzerhand ein Ankereindrehgerät geliehen, das mit einem der Hydraulikkreisläufe des Traktors funktionieren sollte. Leider weit gefehlt. Das Dingen wollte nicht.

Wir verloren ungefähr 15 Minuten bei dem Versuch, die Maschine ans Laufen zu kriegen. Und so blieb uns nichts anderes übrig, als einen kleinen Wettkampf auszurufen, der da hieß:

Wer schafft es, am schnellsten den Anker in den Boden zu drehen.

Lustige Methoden wurden dabei gesehen. Während der eine mit einer Eisenstange unterwegs war und sich redlich Mühe gab, das Ding in den Boden zu drehen, gab es andere, die anfingen, um den Anker herumzulaufen und sich mit zu drehen, um schneller ans Ziel zu gelangen.

Das mussten wir auf dem oberen, aber auch auf dem unteren Boden machen und ich möchte sagen, es war die schweisstreibendste Arbeit überhaupt an diesem Tag. Und die Kollegen haben hier echt Durchhaltevermögen gezeigt.

Die anderen verteilten, mein Kollege, der Traktorfahrer, und ich rammten die Pfähle in den Boden. Während dessen ging es weiter. Die Pflanzstickel wurden gesetzt. Auch das so schnell, dass ich es gar nicht fassen konnte, als ich hörte, dass wir fertig waren.

Wir überlegten, was jetzt noch sinnvoll wäre, weiter zu tun und so entschlossen wir uns, die ersten Drähte oben einzuziehen und die Endpfähle an den Ankern zu befestigen. An der Stelle sei gesagt, hier hilft nicht mehr unbedingt "viel hilft viel".

Die verbliebenen 5 Kollegen waren zu viele. Wir kamen nicht mehr wirklich voran, weil zu wenig Arbeit parallel gemacht werden konnte.

Also beließen wir es dabei und machten dann nach ein bisschen mehr als 6 Stunden und einem steifen Nacken vom dauernden Hochschauen zum Frontlader Schluss und beendeten die Arbeit des Drahteinziehens am darauffolgenden Tag zu zweit.

26.03.2018 - Rechenmeister

 

Heute bin ich dann mal zum Rechenmeister mutiert. Materialbestellung steht an für den Drahtrahmen der Anlage. Der muss oder besser sollte stehen dieses Jahr.

Nach langem Hin und Her, diskutieren und fachsimpeln mit Kollegen, steht es jetzt fest. Keine Heftdrähte. Habe mich für Hagelschutznetze entschieden, somit entfallen die Doppeldrähe mittig, und ich habe lediglich ein Drahtpaar auf gleicher Höhe ganz oben, an dem später die Hagelschutznetze befestigt werden.

Aber nun ging es ans Zählen. Wir hatten ja bereits im vergangenen Jahr den Pflanzplan gemacht und wussten, wie viele Pflanzen wir pflanzen wollten. Fehlten nur noch die korrekten Zahlen für die Bestellung der Drahtanlage. Aber auch das war - dank des Pflanzplans - schnell bestellt.

Beim Händler des Vertrauens die Zahlen abgeliefert, sich noch in Prospekten über den neuesten technischen Fortschritt informieren. Und auch wenn man es kaum glauben kann, auch im Weinbau, bei einer Drahtanlage, gibt es technische Fortschritte. Natürlich wie bei Allem, macht man sich keine Gedanken darüber, kommt man auch nicht drauf.

Einzige Einschränkung an dem ganzen Spektakel: Die Ware musste bis zum 27.4. da sein. Ich hatte auf den 27.4. alle meine Helfer angefragt, die mir zur Seite stehen würden.

Wie ich die Menge an Pfählen und Draht in die Reben bringen würde, wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, da die Pfähle 5 cm zu lang für den Anhänger. Da sagt dann jeder, dem man das erzählt: "Ist doch überhaupt kein Problem, dann schauen sie halt hinten raus." So schlau war ich auch, leider verfügt unser Anhänger über eine Auffahrrampe, die somit ungefähr 1.30 m in die Höhe ragt und somit nix ist, mit "hinten rausschauen lassen".

Fakt ist, man muss die Pfähle vorne raus schauen lassen, denn die Wand kann man öffnen. Gut sichern muss man die Chose dann allerdings, damit beim Bremsen nix im Kofferraum hängt.

Zum Glück sind die Pfähle auf Palette und werden auch genauso aufgeladen. Da rutscht nix. Aber am Ende war alles gut: Die Ware war heile am 27.4. in den Reben angekommen.

08.03.2018 - O'spatet is!

Nachdem die zwar noch wunderbaren 35jährigen Weiss- und Spätburgunder gerodet wurden, wir die Rebstöcke in abenteuerlicher Weise aus dem Weinberg gebracht haben, konnte die Spatenmaschine anfahren und anfangen zu spaten. 

Ja, so richtig konnte ich mir nie etwas unter der Maschine vorstellen bis man sie sieht. Eigentlich könnte man denken, man ist auf einem hektargroßen Acker unterwegs, soll die Maschine in der Breite doch in etwa 3 Meter messen.

Wenn die Maschine über das Stück fährt, hinterlässt sie nichts Anderes als feine, krümelige Erde, die nur so nach Neuanpflanzung schreit. Und das Ganze bis in 60 cm Tiefe.

Erde, die - wenn man sie in die Hand nimmt - fein durch die Finger rieselt und einem das Gefühl von absoluter Zufriedenheit vermittelt, das getan zu haben, worum der Boden schon so lange gebeten hatte.

Und - und hier wird ein Fingerzeig notwendig - der Boden dankt es. Freut er sich jetzt auf ca. 6 - 7 Wochen pure Entspannung, die Poren können atmen und werden hervorragend durchlüftet, nennen wir es DIE WELLNESSBEHANDLUNG für den Boden, die er sich nach so langer Zeit redlich verdient hat.

Einfach mal hängen lassen, einfach mal ausruhen. Genau das macht er jetzt. Kraft tanken, um sich bereit zu machen für die nächste große Herausforderung.