03.04.16  - Die Austriebsspritzung

Tja, und dann war es soweit. Das erste Mal für mich dieses Jahr. Die Arbeiten waren bis letztes Jahr auf meinem anderen Rebstückle ausgelagert, oder vielmehr „outgesourced“, wie man so schön in der IT sagt.

 

Also musste ich mich dieses Jahr mit dem Thema auseinandersetzen. Das bedeutete, Spritzmittel kaufen, Spritze vorbereiten, Schutzkleidung kaufen und und und...


Da es sich hierbei um ein ernstzunehmendes Thema handelt, darf man das auch nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Da gilt es Mundschutz, Schutzbrille, Gummihandschuhe und Spritzanzug kaufen. Genau die Anleitung auf den Produkten befolgen und schon hier wird es kompliziert. Während das eine Produkt in 40 – 100 l aufgelöst wird, darf man das andere in 20 – 100 l mischen. Jetzt muss man herausfinden, wie viel Aufwandsmenge man benötigt. Dabei darf die Konzentration nicht unberücksichtigt bleiben. Will man also zwei miteinander verträgliche Mittel ausbringen, muss man eine Gradwanderung zw. ausreichender Aufwandsmenge sowie korrekter Lösung des Produkts machen. Das kriegt man aber mit der Zeit im Gefühl.

 

Dann steht man erst mal wie ein Marsmensch angezogen vor seiner Spritze. Vor einer motorisierten Rückenspritze. Die hatte ich mir ganz romantisch von meinem Mann zu Weihnachten gewünscht. Bin ja praktisch veranlagt.

 

Hat soweit alles funktioniert. Die Spritzbrühe eingefüllt, Deckel drauf, Motor anschmeissen, aufgezogen..hui...jetzt wurde es schwer und ungemütlich auf dem Rücken, und loslaufen.

 

Die ersten beiden Schritte, Vorbereitung und Einfüllen, funktionierten hervorragend, beim Motor in Betrieb nehmen, taten wir uns bereits ein wenig schwerer. Brauchten wir doch rund 10 Minuten, den Motor endlich ans Laufen zu bekommen. Nun, wenn man dann alle Dinge beachtet, die in der Betriebsanleitung stehen und alle Knöpfe und Hebel findet, und vor allem Ausdauer und Kraft hat, bekommt man die Spritze schon irgendwie zum Laufen.

 

Laut ist sie. Gerade, wenn man sie auf dem Rücken so nah an den Ohren hat. Da braucht aber keiner mehr eine Konversation versuchen, mit Einem zu führen.

 

Und das Laufen ähnelte wohl eher bei mir einem Stolpern, da man doch ein Gewicht von rund 30 kg auf dem Rücken, das ausbalanciert werden will. Mit Gasmaske (mit einem richtig großen Filter vor der Nase), unter der es verdammt warm wird und man nur schwer atmen kann. Die Brille, die irgendwann voller Spritzer von der Spritzbrühe ist, und man dann nur noch sehr wenig sieht und das Schlimmste: Eine kleine Kette, die von der Motorspritze runterhängt, und die man – laut Bedienungsanleitung – unbedingt an das Gerät anzubringen hat, um eine statische Aufladung zu vermeiden.

Da ich unter keinen Umständen aussehen wollte, als hätte ich die Haare toupiert, kam die natürlich direkt an das Gerät. Leider stellte sich das als sehr unpraktisch dar, denn man läuft Gefahr, permanent darauf zu laufen und erhält dadurch einen gewaltigen Schlag am Arm nach unten, der einem stolpern lässt.

Spricht man mit einem Profi, dann weist dieser darauf hin, dass die statische Aufladung nur bei Pulverausbringen auftreten kann, nicht jedoch bei Spritzbrühe.

 

Gut, dass wir darüber gesprochen haben...

 

Nach einiger Zeit, löste sich dann der Schlauch, der das Spritzmittel zum Ausbringen ansaugt im Innenraum der Spritze. Warum? – Logisch, war nicht befestigt. Herstellerfehler.

Das führte dazu, dass plötzlich die Spritzbrühe auf dem Rücken sehr schnell abnahm, somit auch das Gewicht, was sich zunächst als sehr angenehm darstellte, jedoch merkte ich recht schnell, dass mir irgendwie die Spritzbrühe im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren flog.

Jetzt lief die Brühe direkt auf den Motor, der den Ventilator für die Lufterstellung antreibt.

Mein Anzug begann im Nacken durch zu nässen und irgendwann musste ich aufgeben. Ich war patschnass, nicht nur von der schweisstreibenden Arbeit, sondern eben auch von der Spritzbrühe.

Ich hielt an, wir stoppten den Motor, schauten nach, was gerade schief gelaufen war, entdeckten den gelösten Schlauch, entleerten den Tank, befestigten den Schlauch wieder und füllten nach.

Tja, und das war’s dann auch schon mit dem Spritzerfolg für diesen Tag.

Wir hatten keine Chance mehr, den Motor zu starten. Klar, war ja auch nass.

 

Also legte ich in den nachfolgenden Tagen nach mit einer Handspritze, wie man sie für den Garten kennt.

Also Auffüllen, Pumpen und Losmaschieren. Das geht. Sogar sehr gut. Bin dann auch gut fertig geworden.

Lediglich eine Wetterprognose war nicht ganz so korrekt, so dass ich nach rund 20 Minuten von einem gewaltigen Schauer erwischt wurde und ein weiteres Mal in die Reben fahren musste, um endlich die Austriebsspritzung fertig zu stellen.