23.09.17 - Herbsten ff.

Herbsten war angesagt, mit zahlreichen Helfern und natürlich Verpflegung.

Die hatte ich bereits in der Woche donnerstags vorbestellt, es sollte heißer Fleischerkäse mit Kartoffelsalat werden.

 

Zu unseren Helfern gehören gute Freunde, Nachbarn, alte Arbeitskollegen und Interessierte.

 

Über die letzten Jahre schlauer geworden, fingen wir in guter Manier früh morgens an.

Um halb neun hieß es dieses Jahr bei uns zuhause Abfahrt, um in das 17 km entlegene Weinanbaugebiet im Kaiserstuhl zu gelangen.

 

Dort angekommen warteten schon die anderen Helfer. Entweder sie waren zuvor mit Karten ausgestattet worden, um die Rebstückle zu finden, was bei aller Liebe selbst mir zu Anfang recht schwer fand und ich mich mehrfach verfuhr.

 

Sofort hieß es: Handschuhe an, Scheren einsatzbereit machen und eine kurze Einführung in die Handsortierung.

Da 2017 als ein besonders frühes Jahr bezeichnet wurde, was eine besondere Herausforderung an gesundes Traubengut stellte.

Heißt, den Helfern musste erklärt werden, wie man sortiert.

Riecht die Traube nach Essig, scheinen einzelne Beeren eher rot, hell und laufen aus, so sollte man sie besser mit der Schere rauskratzen.

Übrig bleibt dann leider nur noch das traurig anmutende leere nasse Traubengerüst, das in den Leseeimer wandert.

Zum Glück hielt es sich bei der Lese – zumindest bei Meiner – in Grenzen. Die Kirschessigfliege hatte sich dieses Jahr am Kaiserstuhl zurückgehalten und auch sonst waren die Pilzkrankheiten wie Botrytis zwar vorbeispaziert, hatten jedoch keinen größeren Schaden angerichtet.

 

Also legten wir los und waren bald mit dem Spätburgunder fertig. In der Zwischenzeit war meine Mutter mit den Hunden unterwegs und hatte sich angeboten, das bestellte Vesper für uns abzuholen.

Sie wiederum rief mich völlig aufgelöst an und erzählte mir, dass der Fleischkäse ja noch vollkommen kalt sei und fragte mich, warum ich ihn nicht gebacken vorbestellt hätte.

Gute Frage, habe ich persönlich überhaupt nicht nachgedacht, für mich war der natürlich gebacken.

Zum Glück war sie so früh beim Metzger gewesen, dass dieser den Industriebackofen anschmiss und den Fleischkäse kurzerhand backte.

So konnte sie ihn dann zur vereinbarten Zeit abholen und uns in die Reben bringen.

 

Nach getaner Arbeit wurde also die in den Reben ansässige Bierbank aufgebaut und die Helfer nahmen Platz.

Ich hatte noch einen grünen Salat mit separater Salatsoße am Vorabend vorbereitet und meine Mutter brachte einen selbstgebackenen Apfelkuchen sowie Kaffee mit.

 

Ein Festschmaus also und wir alle mussten herzlich bei dem Gedanken lachen, sich die Fleischkäsemasse ungebacken aufs Brot zu schmieren.

Jedoch war die Arbeit an dem Tag noch nicht beendet, wie man denken könnte.
Für jemanden, der in der Winzergenossenschaft abgibt, endet mit Abgabe der Trauben die Arbeit an dieser Stelle, wir fuhren jedoch mit unseren Trauben – in diesem Fall Spätburgunder und Weißburgunder – nach Hause und das Entrappen konnte beginnen.

 

Es ging weiter im Keller...

15.09.17 - Herbsten

Dieses Jahr fing alles mit dem Muskateller an.

Voller Vorfreude, aber wohlwissend, dass der Frost im Frühjahr nach dem warmen März uns einiges dieses Jahr genommen hatte.

Dass das allerdings so viel war, hatte selbst ich nicht geglaubt.

 

In einem Rebstück im Markgräflerland, das man besser auf dem Hosenboden runterrutscht als versucht, aufrecht darin zu stehen (jedoch mit hervorragender Aussicht), traten wir zu dritt an.

Geschätzte Dauer: 2 Stunden bei 3 Mann. Ok, 2 Mann, eine Frau + Hund.

Nach einer Stunde waren wir durch. Also mit den Trauben.

Große Augen hatten wir auch.

Warum? – Naja, wenn wir uns überlegen, dass wir letztes Jahr zu fünft in dem gleichen Stück unterwegs waren und dann erst nach mehr als 3 Stunden fertig und zwar mit rund 500 kg Trauben.

 

Dieses Jahr? – Ein trauriger Anblick. Nicht mal ein halber Bottich war es. Und nach dem Pressen hatten wir dann 65 l Muskateller. (zum Vergleich: ca. 300 l im vergangenen Jahr)

 

Ja, da war die Ernüchterung da. Um sich einfach mal die Frage zu stellen: Was machen Menschen, die von dieser Arbeit leben? Denen die Natur, das Wetter, das Klima einfach mal fünf Sechstel Ihres Einkommens unterm Hintern weggezogen hat. Und wir beschweren uns in der Industrie, an unseren bequemen Büroarbeitsplätzen, darüber, wenn der Bonus geringer ausfällt...Was, wenn Du aber gar keinen Bonus hast? Gar keine Möglichkeit hast, einen zu erreichen? Die Regelungen an dieser Stelle – und das muss man auch mal klar ansprechen – bezüglich Übermengen und die damit mögliche Kompensation von Einkommensverlusten.

Aaaaaber: Das ist ein anderes Thema. Ein ziemlich Großes, das an anderer Stelle behandelt werden soll.

 

Wo war ich stehengeblieben?

- Achja, wir sprachen über Bonus. Also kein Bonus dieses Jahr, sondern eher „Resteverwertung“. Das, was noch übrig war. Nach Frost, nach Kirschessigfliege und nach Botrytis. Dieses Jahr konnte man den Trauben zuschauen, wie sie quasi von Tag zu Tag an Gewicht verloren, durch eine der oben genannten Ursachen. Schlimm war das.

 

Ich hatte mir aufgrund der Horrorgeschichten der Kollegen gar kein Bild mehr machen wollen von den Reben. Ich war auch nicht mehr. Ich hatte mir gedacht, ich nehme das, was übrig ist und wenn ich sortieren muss.

Beim Muskateller gab es dann nicht mehr so viel zu sortieren.

Da wollte man auf keine einzige Traube quasi verzichten.


Also haben wir sie heimgebracht. Liebevoll abgebeert und eingemaischt.