07.04.2018 - Pheromone

Es stinkt.

Gewaltig sogar.

Also die Pheromone.

Und damit meine ich diese komischen roten Spaghetti.

Falls Ihr schon mal durch die Reben gelaufen seid, wenn es endlich wieder wärmer wird im Frühling, trefft Ihr manchmal auf Massenwanderungen von motivierten Winzern. Die meisten trage ein kleines Körbchen bei sich und einige sind mit Handschuhen ausgestattet.

Wärme und Handschuhe muten schon an ein Oxymoron an, was es jedoch nicht ist. Es ist purer Egoismus, denn wer will schon nach dem Aufhängen der Pheromonfallen für dergleichen gehalten werden?

Hat man den Geruch erst einmal an den Händen, bekommt man ihn nur schwer wieder los. Da riecht man den ganzen Tag danach, auch wenn man sich die Hände noch so schrubbt. Da hilft vielleicht noch 4711 Echt kölnisch Wasser. Aber was soll's. Die Arbeit muss getan werden, wenn diese süßen kleinen Falterchen, die sie ja sind, keine kleinen gemeinen Eier und damit Würmer in die Trauben packen sollen. Dann ist nämlich Schluss mit lustig.

Die Eier werden Raupen und haben Hunger. Den stillen sie gerne in den Reben. Wie das über die leider mehreren Generationen dieser Gattung übers Jahr verläuft, würde hier den Rahmen sprengen, aber ich kann Euch sagen: Das Ergebnis - über das Jahr hinweg - ist nicht erfreulich und muss in Schach gehalten werden. Das geht umweltfreundlich mit den Pheromonfallen, die flächendeckend aufgehängt werden, damit sich nur wenig oder bestenfalls eben gar keine Traubenwickler in die Reben verirren. Das ist zwar utopisch, aber hoffen darf man ja.

Bislang ist die Methode recht zuverlässig, jedoch müssen bei solchen Maßnahmen wirklich alle mitspielen. Daher finden immer gesammelt die Ausbringtermine von den "Spaghettis" statt, die man doch so häufig in den Reben hängen sieht.

24.02.2018 - Das Roden (Teil II)

... Hatte ich letzte Woche doch gedacht, heute geht das ganz schnell. Es hat die ganze Woche nicht geregnet, es dürfte trockener sein, so dass wir noch nicht mal Gummistiefel brauchen würden, auch wenn wir sie sicherheitshalber eingepackt hatten.

(Der Teufel ist ein Eichhörnchen und wer weiß das nicht besser als ich, wenn es um puncto Rebenarbeit geht.)

 

Sonnenschein und eisiger Wind bliesen uns entgegen, als wir aus dem Auto stiegen, aber es konnte uns nichts die Laune verderben.

Hinab auf die Terrasse, kurz geplaudert, wie und wo wir wohl am besten die Rebstöcke stapeln würden und los.

 

Der erste Rebstock, zur Hälfte in der Erde steckend, ward gleich gesichtet und beherzt - gemäß dem gleichen Prinzip von letzter Woche: Einer Sammelt, einer transportiert ab - stürzte ich mich auf ihn.

 

Beim Ziehen an der Rebwurzel blieb jedoch der gewünschte Effekt aus. Anstatt des Rebstocks in der Hand, fuhr nichts anderes als einen harten Schlag durch den ganzen Körper.

Da bewegte sich nichts.

 

Da ging mir ein Licht auf. Ein Lehm-Löss-Gemisch, das nass ist, ist samtig, geschmeidig und schwer.

Wer sich an handwerkliches Arbeiten in der Schule entsinnt, hatte bestimmt auch mal Gelegenheit, am Töpfern teilzunehmen.

Und genau das war das Empfinden meinerseits.

 

Eine Woche war vergangen nach dem Verlassen der letzten Töpferstunde und zurück bekam man eine bizarre Landschaftsskulptur, die quasi unzerstörbar war, wenn man sie nicht fallen ließe.

 

Zum Glück hatten wir von einer unserer Aktionen im Dezember noch eine Schaufel vor Ort gelassen. Sie kam wie gerufen. Mit Hebeln und Drücken gelang es uns, die Rebstöcke aus der Erde zu stemmen.

 

Aber ich will ja nicht nur jammern. Waren die Rebstöcke zuvor extrem schwer gewesen, da sie von nasser Erde behaftet waren, rieselte die Erde hier leichtfüßig ab, und machte sich sogar zeitweise in dem starken Wind auf und davon.

 

Das erleichterte natürlich den Transport der Reben. Es war uns sogar möglich durch Einsatz geschickter Wurftechnik sich die meisten Wege zu sparen. Das war aber auch bitterlich nötig, mussten wir doch so viel Energie aufbringen, um das Feld zu räumen.

 

Am Ende, nach rund anderthalb Stunden Schwerstarbeit, war es dann soweit. Wir konnten sagen: WIR HABEN ES GESCHAFFT! Das Feld ist bereitet für den nächsten Arbeitsschritt, das Spaten des Feldes. Darunter versteht man eine Lockerung des Bodens in 60 cm Tiefe.

 

Vorhergesagt sind für die nächsten Tage bis zu -10 Grad und Schnee, das dürfte auch für die Maschine kein Zuckerschlecken werden.

 

 

18.02.2018 - Das Roden (Teil I)

Um ehrlich zu sein hatte ich mir Rebenroden anders vorgestellt.

Nämlich so: Da kommt eine Maschine und zieht die Rebstöcke raus und hinterher folgt ein entspannter Spaziergang durch das Rebstückle und Aufsammeln der nun herausgezogenen Rebstücke. Tja, wie immer...weit gefehlt. Expection Management nennt man das in der Projekt Management Sprache und ich darf sagen, da habe ich bei mir selber versagt.

Stattdessen erwartete uns ein Feld des Grauens. Als wären 10 Traktoren über das Feld gefahren, mit schweren Reifenspuren. Warum? - Naja. Weil ich halt auch für die Böschungspflege (60 Meter lang, 5 - 6 Meter hoch) Unterstützung angefragt hatte. Also sind in der Woche gleich zwei große Maschinen auf dem Feld unterwegs gewesen, was seine Spuren hinterlassen hatte.

Nichts desto trotz waren wir guten Mutes, die bereits aus der Erde schauenden Rebstöcke zusammen sammeln zu können und sie zu verbrennen. Richtig. Verbrennen. Wer sich an den 18.2.18 erinnern kann, dem wird vielleicht einfallen, dass es in der Woche zuvor nebst Schnee auch ordentlich geregnet hatte.

Und so kam es, dass wir mit unserem Breitflächenbrenner (tolles Wort!) und einem Kanister Benzin in den Reben standen und verzweifelt versuchten, ein Feuer an zu bekommen.

Zwischenzeitlich sammelten wir fleißig die Rebstöcke ein, was bei einem überwiegend aus Lehm und Löss bestehenden Boden, der nass ist, nur mäßig Spaß macht. In Gummistiefeln wateten wir durch die Erde, die sich immer mehr an unsere Stiefel schmiegte und ein Gewicht von gefühlten 20 kg pro Fuß ausmachte.

Dazu noch die Unebenheiten des Terrains und das doch sperrige Pflanzgut waren eine Tortur. Wegen einer Pflanze läuft man nicht, aber bei Zweien an der Hand wird es auch schon schwierig.

Die Wurzeln ragen wie Pinsel in alle Richtungen und sorgen dafür, dass man auch ja überall Farbe, also Erde, abbekommt. Ich hätte mich ebenso auch auf den Boden schmeißen können und wie ein kleines Schweinchen in dem Matsch suhlen können, es wäre in etwas das gleiche Ergebnis des Schmutzgrades dabei rausgekommen.

Weder Olivier noch ich sind richtige Pyromanen, so dass wir am Ende des Tages aufgeben mussten und stattdessen die Rebstöcke an die Seite legten, so dass zumindest auf dem Feld weitergearbeitet werden kann.

Am Ende waren wir froh, die größere der beiden Terrassen abgeräumt zu haben und sagten uns frohen Mutes: "Die Oben wird ein Kinderspiel! Die machen wir nächstes Wochenende!" Das sollte sich jedoch als ein Irrtum rausstellen...